Wirkung und Nutzen inklusiver Quartiersentwicklung (WINQuartier)

  • Demographischer Wandel in Deutschland: Der Anteil älterer Menschen und Hochaltriger an der Gesamtbevölkerung nimmt stetig zu. Da das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen mit zunehmendem Alter steigt, bedeutet der demographische Wandel auch eine zu erwartende Zunahme der Prävalenz der Pflegebedürftigkeit. Doch nicht nur der  Pflegebedarf steigt, auch der Bedarf an Unterstützungsleistungen für Hilfen im Alltag und zur Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Teilhabe nimmt im Alter zu.
  • Fokus auf Quartier und das unmittelbare Lebens- und Wohnumfeld: Nach wie vor besteht bei vielen älteren Menschen der Wunsch, so lange wie möglich im bekannten Wohnumfeld zu leben. Anders ausgedrückt: Im Viertel, Quartier, in der Nachbarschaft wohnen und leben, ist auch im Alter -  auch bei Pflege- und Unterstützungsbedarf - ein wichtiges Anliegen. Die systematische Entwicklung altersgerechter bzw. inklusiver Quartiere eröffnet Möglichkeiten, Unterstützungsstrukturen im unmittelbaren Umfeld zu aktivieren, sodass ein selbstbestimmtes Leben in Versorgungssicherheit (Autonomie und Wohlergehen) auch für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf möglich ist.
  • Verschiedene Trägerorganisationen sind seit Jahren in diesem Feld aktiv. So auch die Freie Wohlfahrtspflege NRW und ihre Mitgliedsverbände.
  • Der Siebte Altenbericht der Bundesregierung verweist auf die besondere Rolle der kommunalen Ebene zur Ausgestaltung von Infrastrukturen der Daseinsvorsorge. Das Land NRW hat mit dem Masterplan Altengerechte Quartiere.NRW ein Strategie- und Handlungskonzept zum selbstbestimmten Leben im Alter vorgelegt und die wesentlichen Handlungsfelder beschrieben. Mittlerweile gibt es vielseitige Anregungen, wie Quartiersentwicklung geplant, initiiert und umgesetzt werden kann. Beispielsweise bietet das Landesbüro altengerechte Quartiere.NRW ein Internetportal an, auf welchem sich Akteure umfassend informieren können.
  • Es bleibt trotz der vergangenen Entwicklungen und Fortschritte die Frage offen, welche Wirkungen die vielfältigen Maßnahmen und Aktivitäten im Rahmen der Quartiersentwicklungsprozesse erzielen: Inwiefern wird durch sozialraumorientierte Aktivitäten ein selbstbestimmtes Leben in Versorgungssicherheit für Ältere, Hochaltrige und Personen mit besonderem Pflege- und Unterstützungsbedarf tatsächlich ermöglicht? Und mit welchen Verfahren und Methoden können hierzu belastbare Aussagen getroffen werden?

Projektziele

Im Forschungsprojekt WINQuartier wird ein indikatorengestütztes Instrumentarium zur Ermittlung der Wirkungen und des Nutzens inklusiver Quartiersentwicklung entwickelt, erprobt und evaluiert. Diese Orientierung auf Wirkungen und Nutzen wird als „empirische Fundierung professionellen Reflexions- und Erklärungswissens“ (Hans-Uwe Otto) durch Methoden der empirischen Sozialforschung verstanden.

Mit dem Forschungsprojekt WINQuartier soll

  • ein Verfahren für die Generierung und Identifizierung geeigneter Zieldimensionen und Indikatoren sowie
  • ein Instrumentarium zur Wirkungsanalyse einzelner Interventionen und Maßnahmen zur Quartiersentwicklung erarbeitet werden.

Dieses Instrumentarium wird auf seine Validität, Praxistauglichkeit und Nützlichkeit für die Gestaltung von Quartiersentwicklungsprozessen zu Gunsten der Zielgruppe hin überprüft und in unterschiedlicher Form medial aufbereitet den Akteuren der Quartiersentwicklung zur Verfügung gestellt.

Fokus auf Wirkung und Nutzen

Vor dem Hintergrund der Bandbreite von Handlungsfeldern in der Quartiersentwicklung soll der Fokus der Betrachtung auf der Erfassung von Wirkungen und Nutzen von Maßnahmen zur Förderung des selbstbestimmten Lebens und der Versorgungssicherheit für Ältere, Hochaltrige und Personen mit besonderem Pflege- und Unterstützungsbedarf im Quartier liegen. Dies umfasst Leistungen der gesundheitlichen, pflegerischen und hauswirtschaftlichen Unterstützung und die Förderung der sozialen Teilhabe.

Wirkungen und Nutzen können dabei auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sein. Das Instrumentarium erfasst sowohl direkte Wirkungen im Hinblick auf die Zielgruppe als auch indirekte Wirkungen im Quartier als soziales System, dessen Infrastruktur und Rahmenbedingungen.

Mit den Projektergebnissen liegt ein wissenschaftsbasiertes, systematisches, transparentes und praktikables Instrumentarium vor, das von den Akteuren der Quartiersentwicklung zur Planung, Steuerung und Kontrolle von Quartiersentwicklungsprozessen genutzt werden kann.

Ziele des Instrumentariums zur wirkungsorientierten Selbstevaluation

Das Instrumentarium kann zukünftig genutzt werden für die

  • Planung und Steuerung von Quartierentwicklungsprozessen in unterschiedlichen Kontexten,
  • Selbstevaluation durch die verantwortlichen Akteure in Quartiersentwicklungsprozessen, inkl. der Partizipation von weiteren Stakeholdern und den Nutzerinnen und Nutzern in den Quartieren,
  • Dokumentation und begründete und nachvollziehbare Darstellung von Wirkungen und Nutzen der Arbeit in Quartiersentwicklungsprojekten gegenüber Entscheidern und Finanziers,
  • Professionalisierung der Mitarbeitenden und Träger im Arbeitsfeld Quartiersentwicklung.

Um diese Ziele zu erreichen und ein praxistaugliches Instrumentarium zu entwickeln, arbeitet das wissenschaftliche Team mit fünf Pilotquartieren zusammen. Die Qualifizierung von Mitarbeitenden in diesen Pilotquartieren im Umgang mit dem Instrumentarium ist ebenfalls Gegenstand des Projekts.