Autorin: Prof. Dr. Sabine Kühnert

Beobachtung

Kurzbeschreibung

Beobachtungsverfahren erfassen Informationen über Verhaltensweisen von Menschen wie z. B. die tatsächliche Inanspruchnahme eines Angebotes oder die Nutzung von öffentlichen Räumen und bei Wiederholungserfassung auch von Verhaltensänderungen, wenn z. B. nach dem Aufstellen von Bänken auf einem Marktplatz mehr ältere Menschen dort anzutreffen sind.

  • Beobachtungsverfahren lassen sich nach folgenden Merkmalen unterscheiden:
  • Strukturierungsgrad (strukturiert – unstrukturiert),
  • Status des Beobachters (teilnehmend –nichtteilnehmend),
  • Informationsgrad des Beobachteten (offen – verdeckt),
  • Adressaten der Beobachtung (Selbstbeobachtung- Fremdbeobachtung).

Entwicklung eines strukturierten Beobachtungsrasters, das eindeutige Zuordnungen der beobachteten Verhaltensweisen in vorgegebenen Kategorien ermöglicht z. B. Erfassung von Anzahl, Dauer sowie Tageszeit der Besucher des Marktplatzes.

Freie Beschreibung der zu beobachtende Ereignisse in einem Verlaufsprotokoll , z. B. Beschreibung, was auf dem Marktplatz passiert, als Fließtext.

Der Beobachter oder die Beobachterin ist gleichzeitig Akteur/-in in Feld, z. B. als Quartiersmanager. Das bedeutet er oder sie ist Teil des Beobachtungsfeldes und Datenerfasser/-in.

Der Beobachter oder die Beobachterin agiert nicht im Feld, sondern beschränkt sich auf die Aufgabe der Beobachtung.

Einsatzmöglichkeiten und Voraussetzungen

  • Die Evaluationsfragestellung und die praktischen Gegebenheiten im Feld bestimmen die Auswahl des einzusetzenden Beobachtungsverfahrens
  • Je mehr Vorinformationen vorliegen, desto leichter sind strukturierte Beobachtungsverfahren möglich.
  • Eine strukturierte Beobachtung erfordert eine genaue Definition des zu beobachtenden Verhaltens, das anhand vorab erstellter Beobachtungskategorien erhoben wird z. B. wie oft spricht ein Teilnehmer eines Sportangebots mit anderen Teilnehmern, wie weit geht ein Teilnehmer beim begleiteten Spaziergang.
  • Unstrukturierte Beobachtungen können als explorative Datenerhebung zur Sondierung möglicher relevanter Erhebungsbereiche eingesetzt werden.
  • Die teilnehmende Beobachtung hat den Vorteil eines leichteren Feldzugangs, da der Beobachter oder die Beobachterin gleichzeitig Interaktionspartner/-in, z. B. Gruppenleiter/-in, ist. Die Reaktivität ist geringer, allerdings ist eine objektive Datenaufzeichnung durch die Doppelrolle erschwert.
  • Bei der nichtteilnehmenden Beobachtung agiert der Beobachter oder die Beobachterin nicht im Feld mit dem zu Beobachtenden, sondern beschränkt sich auf die Aufgabe der Beobachtung. Dies hat den Vorteil einer höheren Objektivität bei der Datenerfassung, auf die er sich ganz konzentrieren kann. Allerdings kann in der Anfangsphase die Anwesenheit eines Beobachters oder einer Beobachterin als störend empfunden werden und ein natürliches Verhalten kurzzeitig verhindern (Reaktivität des Verfahrens).
  • Gute Chancen zur differenzierten Datenerhebung bestehen durch die Kombination von Beobachtungen und Befragungen zur Erfassung von Einstellungen und Verhalten.

Hinweise zu Gestaltung und Anwendung

  • Es ist abzuklären, in welchen Settings eine Beobachtung möglich ist, ob in öffentlichen Räumen oder halböffentlichen Räumen wie in einem Quartiertreff.
  • Unabdingbar ist für alle Beobachtungsverfahren die Klärung, wie das zu beobachtende Verhalten erfasst werden soll als Verlaufsprotokoll sämtlicher auftretender Ereignisse oder als ausschließliche Erfassung vorab festgelegter relevanter Verhaltensweisen.
  • Ebenso bedarf es in jedem Fall einer sorgfältigen Beobachterschulung.
  • Für strukturierte Beobachtungsverfahren ist die Vollständigkeit, Eindeutigkeit, Übersichtlichkeit und Handhabbarkeit der Beobachtungskategorien sicherzustellen. Pretest und Prüfung der Beobachterübereinstimmung vor Durchführung der Beobachtung sind erforderlich.
  • Bei einer teilnehmenden Beobachtung besteht die Gefahr möglicher Rollenkonflikte des Beobachters als Akteur und als Forscher. Dies erschwert die Objektivität der Datenerhebung.

Weiterführende Informationen

Atteslander, P. (2010). Methoden der empirischen Sozialforschung. ESV Verlag.

Döring, N. & Bortz, J. (2016). Forschungsmethoden und Evaluation. Berlin: Springer.