Autorin: Prof. Dr. Sabine Kühnert

Gruppendiskussion

Kurzbeschreibung

Bei der Gruppendiskussion handelt es sich um eine qualitative offene oder teilstrukturierte Befragung von mehreren Personen zu einer Themenstellung. Die Diskussionslenkung erfolgt durch einen Leitfaden und Moderator.

Fokusgruppen sind eine Sonderform einer Gruppendiskussion. Sie bezeichnen eine teilstrukturierte Gruppendiskussion, die auf ein bestimmtes Thema/Problem, das zu Beginn eingeführt wird, fokussiert ist.

Für die die Durchführung von Fokusgruppen gibt es eine festgelegte Abfolge der Diskussion:

  • Einstieg durch thematische Einführung durch den Moderator und Vorstellung der Diskussionsregeln,
  • Präsentation einer Aussage als Diskussionsanreiz,
  • z. T. Steuerung des Diskussionsverlauf durch weitere Aussagen oder Argumente,
  • Nachfrage nach bisher noch nicht angesprochenen relevanten Aspekten,
  • Abschluss z. B. durch ein Aufzeigen von Widersprüchen oder Hinweise auf vernachlässigte Aspekte in der Diskussion.

Einsatzmöglichkeiten und Voraussetzungen

Alle Formen von Gruppendiskussionen eignen sich gut zur Erfassung unterschiedlicher Sichtweisen von Personen oder von öffentlichen Meinungen und Haltungen von Gruppen z. B. zur Ermittlung von Änderungswünschen und Bedarfen im öffentlichen Personennahverkehr.

Die Methode ist gut geeignet zur Erfassung möglicher Aspekte einer Wirkungserfassung, wenn noch wenige Informationen vorliegen, oder zur Bewertung von Maßnahmen.

Die Ermittlung von Bedarfslagen und Bewertung von Angeboten durch Gruppendiskussionen ist gut möglich.

Gruppendiskussionen können als aktivierende Befragung von Gruppen gut eingesetzt werden.

Gruppendynamische Prozesse in der Diskussion können für die Quartiersentwicklung genutzt werden.

Alle Formen von Gruppendiskussionen ermöglichen forschungsökonomisch die Erfassung der unterschiedlichen Sichtweisen einer Vielzahl von Personen mit einem zum Einzelinterview vergleichsweise geringen personellen Durchführungsaufwand.

Hinweise zu Gestaltung und Anwendung

  • In Abhängigkeit vom Erhebungsziel ist festzulegen, ob natürliche Gruppen z. B. die Besucher eines Begegnungstreffs oder ad hoc Gruppen z. B. alle im Quartier für die Seniorenarbeit Verantwortlichen eingeladen werden.
  • Die Dokumentation der Diskussion in der Fokusgruppe ist vorab zu klären (Audio- oder Videoaufzeichnungen).
  • Zu beachten und einzukalkulieren sind der hohe Aufwand zur Datentranskription und Auswertung.
  • Wichtig ist die Festlegung der Gruppenzusammensetzung, um Meinungsvielfalt zu erfassen.
  • Zu beachten ist, dass im Diskussionsverlauf Prozesse der Meinungsangleichung möglich sind, so dass Minderheitenmeinungen ggf. nicht erfasst werden können.

Weiterführende Informationen

Döring, N. & Bortz, J. (2016). Forschungsmethoden und Evaluation. Berlin: Springer. S. 379ff.

Mayring, Ph. (2002). Einführung in die qualitative Sozialforschung. Weinheim: Beltz.