Schritt 3: Sammlung von Geschichten zu besonders bedeutsamen Veränderungen

Überlegen Sie gemeinsam im Evaluationsteam, ...

Wer könnte interessante und aussagefähige Veränderungsgeschichten beitragen? Geschichtenerzählerinnen und Geschichtenerzähler sind diejenigen, die etwas über die möglichen Veränderungen im Quartier berichten können, also Bürgerinnen und Bürger, Ihre besonderen Zielgruppen im Quartiersprojekt, gegebenenfalls auch die Akteure und VertreterInnen von Organisationen und Institutionen. Es geht darum, dass Sie möglichst viele unterschiedliche Perspektiven einbeziehen und vielfältige Aussagen erhalten, also nicht nur die Rückmeldungen "von Vornherein Wohlgesonnenen und UnterstützerInnen des Projekts", sondern auch von "projektferneren" Gruppen, die bisher nicht unmittelbar mit den Aktivitäten und Angeboten des Projekts erreicht werden, aber potentielle Nutzerinnen und Nutzer sein könnten. Denn auch diese Gruppen können Ihnen etwas zu Veränderungen im Quartier mitteilen.

Sie müssen bei der Auswahl von möglichen Geschichtenerzählerinnen und Geschichtenerzählern nicht nur Ihnen bekannte Personen berücksichtigen, sondern können MultiplikatorInnen/Schlüsselpersonen im Quartier bitten, Ihnen Kontakte zu vermitteln. Solche Schlüsselpersonen können z. B. die Leitung des Seniorenkreises einer Kirchengemeinde, die Pflegedienstleitung eines Ambulanten Pflegedienstes im Quartier oder Vereinsvorsitzende oder die Kioskbetreiber im Quartier sein. 

Wollen Sie sich von den ausgewählten Geschichtenerzählerinnen und Geschichtenerzählern einladen lassen, um das Interview in einer für die Interviewpartner vertrauten Situation durchführen zu können oder wollen Sie die InterviewpartnerInnen an einen möglichst attraktiven und ungestörten Ort einladen? Für die Interviews sollten Sie einen Zeitrahmen von etwa max. 30 Minuten einplanen. „Zwischen-Tür-und-Angel-Situationen“ eignen sich nicht.

Bereiten Sie sich gemeinsam auf die Interviews vor und besprechen Sie gemeinsam die einzelnen Schritte des Interviews (Kontaktaufnahme, Einstieg in das Interview, Gesprächsführung während des Interviews, Verabschiedung, abschließende Hinweise zum weiteren Umgang mit den Interviews und den Ergebnissen des MSC-Verfahrens).

Sammeln Sie mögliche problematische Situationen und entwickeln Sie gemeinsam Lösungsmöglichkeiten. Möglicherweise können Sie in einem Rollenspiel zwei bis drei Interviewsituationen simulieren.

Besprechen Sie insbesondere die „forschungsethischen“ und datenschutzrechtlichen Fragen der Interviewdurchführung (Freiwilligkeit der Teilnahme, Wahrung der Anonymität der Geschichtenerzähler/-innen bzw. Einverständniserklärung der Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, Transparenz im Hinblick auf Ziel und Absicht des MSC-Verfahrens, Möglichkeiten der Teilhabe an den Ergebnissen, …).

Erstellen Sie einen detaillierten Arbeits- und Zeitplan für diesen Arbeitsschritt. Legen Sie den konkreten Zeitraum fest, in dem die Veränderungsgeschichten gesammelt werden. Legen Sie ebenfalls eine Zielgröße fest, wie viele Interviews Sie durchführen wollen. Verteilen Sie die potentiellen Interviewpartner/-innen untereinander auf. Legen Sie Termine im Evaluationsteam fest, zu denen Sie sich zu kurzen Zwischenbilanzen verabreden und die ebenfalls zum Austausch und zur kollegialen Beratung dienen können.

Hinweis: Im Interview Mitschreiben oder eine Audioaufzeichnung?

Die Mitglieder des Evaluationsteams als InterviewerInnen haben die anspruchsvolle Aufgabe, während des Interviews möglichst viele Aussagen mitzuschreiben. Wichtig ist vor allem die InterviewpartnerInnen zu sehr konkreten Aussagen zu motivieren. Denn Ziel ist es, am Ende Veränderungsgeschichten zu erhalten, die sehr eindrückliche und lebendige Erfahrungen widerspiegeln, welche Veränderungen die InterviewpartnerInnen beschreiben wollen und was diese Veränderungen für Ihre persönliche Lebens- oder Arbeitssituation bedeuten. Die dokumentierten Veränderungsgeschichten sollten zwei Din A 4-Seiten nicht überschreiten. Sie können sich im Gespräch immer auch noch einmal rückversichern: „Ich habe das jetzt so aufgeschrieben: … - Habe ich Sie da richtig verstanden?“

Sie könnten überlegen, die Interviews mit einem Aufnahmegerät aufzuzeichnen. Dann könnten die InterviewerInnen sich ganz auf das Gespräch konzentrieren und die InterviewerInnen könnten im Nachhinein noch einmal besonders interessante „O-Töne“ in die Veränderungsgeschichte mit aufnehmen. Das ist allerdings mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Und es könnte auch sein, dass einige InterviewpartnerInnen ein Aufnahmegerät als störend empfinden.

Am Ende dieses Arbeitsschrittes verfügen Sie über eine bestimmte Anzahl von dokumentierten Veränderungsgeschichten. Beim MSC-Verfahren geht es nicht um eine repräsentative Auswahl von Interviewpartner/-innen. Gleichwohl können Sie in einem der Zwischenbilanztermine z. B. überprüfen: Wie sind Frauen und Männer verteilt? Sind bisher Interviewpartner/-innen ausschließlich nur aus sehr eng umgrenzten „Teilquartieren“ (einzelne Straßenzüge, Wohnsiedlungen) einbezogen? Sind unterschiedliche Milieus vertreten?

Es gibt keine vorgeschriebene Zielgröße, wie viele Interviews durchgeführt werden müssen, um mit dem MSC-Verfahren sinnvoll weiter arbeiten zu können. Sie können aber grob überschlagen: Wenn in einem Evaluationsteam von etwa 6 bis 8 Personen jede/r etwa 5 bis 6 Interviews führt, haben Sie bereits zwischen 30 und 48 Interviews für das Auswahlverfahren zur Verfügung.


Aufgaben und Aufwand für diesen Arbeitsschritt

  • Vorbereitung Informationsmaterial, Gesprächsleitfaden für Interviews etc.
  • Arbeits- und Zeitplan für die Interviewdurchführung / Anzahl der Interviews und InterviewpartnerInnen und Zugänge/ Erreichbarkeit zu den InterviewpartnerInnen klären
  • Ein bis zwei Treffen im Evaluationsteam: Vorbereitung auf die Interviewführung, datenschutzrechtliche Fragen klären, Art und Weise der Dokumentation der Interviews entscheiden, Vereinbarungen zur Aufbereitung der Interviews zu „Veränderungsgeschichten“ treffen, Zwischenbilanz bzw. Austauschmöglichkeit für die Geschichtensammlerinnen und -sammler
  • Interviews führen und dokumentieren

Checkliste für den dritten Arbeitsschritt im MSC-Verfahren

Aufgabe Erledigt
Notwendige Arbeitsmaterialien und Dokumente sind erstellt.
Arbeits- und Zeitplan für die Interviewdurchführung ist erstellt.
Die Geschichtensammlerinnen und -sammler sind auf die Interviews vorbereitet.
Interviews sind durchgeführt und dokumentiert.
Aus den Interviewprotokollen bzw. Interviewaufzeichnungen sind nach einem vorgegebenen Muster „Veränderungsgeschichten“ formuliert.