Altengerechte Quartiersentwicklung - Wie können monetäre Zusatznutzen dargestellt werden?

Diskussion und fachlicher Austausch zu Möglichkeiten der Ermittlung des ökonomischen Zusatznutzens der Quartiersentwicklung

Im Projekt WINQuartier sind immer wieder Diskussionen angestoßen worden:Über welche Verfahren könnten auch der „ökonomische“ und der „sozioökonomische Mehrwert“ von Quartiersarbeit dargestellt werden? Wie könnte gegebenenfalls auch eine im politischen Raum immer wieder genannte „Präventionsrendite“, die über altengerechte Quartiersentwicklung erzielt werden könne, ausgewiesen werden, indem „Kosten der Quartiersentwicklung“ mit vermiedenen sozialen Kosten und/oder geringerem öffentlichen Unterstützungsbedarf und Kostenersparnissen an anderen Stellen in Beziehung gesetzt werden?Vor diesem Hintergrund fand am 21. Februar 2018 ein Arbeitsgespräch „Altengerechte Quartiersentwicklung – Wie können monetäre Zusatznutzen dargestellt werden?“ statt. Eingeladen waren die Projektmitarbeitenden, die Mitglieder der Projektsteuerungsgruppe und Vertreterinnen und Vertreter der Freien Wohlfahrtspflege NRW aus dem Arbeitsausschuss Pflege, Gesundheit und Alter.

Nach der Begrüßung durch Norbert Dyhringer, Leiter Stabsstelle Quartier und Ehrenamt - Arbeiterwohlfahrt Bezirk Westliches Westfalen e. V., erläuterte Prof. Dr. Monika Burmester, Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, die kritische Position des WINQuartier Projekts zur Messung monetärer Effekte sozialer Interventionen. Weiterlesen

Unter der Überschrift „Was kann der SROI-Ansatz leisten?“ stellte Prof. Dr. Bernd Halfar, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt und xit GmbH Nürnberg, das „Social Return On Investment“ – Modell vor. Eine Kernaussage: „Wenn man monetäre Zusatzerträge von Quartiersmodellen ermitteln will, müsste man die SROI-Einrichtungslogik verlassen und nach Kooperationseffekten zwischen Einrichtungen suchen.“ Mit dem SROI – Modell können Analysen von vermeidbaren/vermiedenen Kosten durchgeführt und vermeidbare Kosten pro Sozialraum ex ante berechnet werden. Weiterlesen

Am Beispiel einer SROI – Studie für die Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände Mainz stellte Prof. Dr. Hans-Christoph Reiss, Institut für angewandtes Management in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft - Hochschule Mainz, die „SROI 3“ – Perspektive Alternativenbetrachtungen und Berechnung der Opportunitätserträge vor: Was wäre, wenn es die Organisation – im WINQuartier Kontext: Quartiersentwicklung und Gemeinwesenarbeit – nicht gäbe? Welche Kosten und Erträge kämen dann auf die öffentliche Hand zu? Wie können Wirkungsanalysen in Form von Wirkungsketten und Analysen zu ausgewählten vermiedenen Kosten realisiert werden? Weiterlesen

Mag. Olivia Rauscher und Dr. Christian Schober, Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien, stellten noch einmal die grundlegende Logik des SROI – Modells vor. Im Rahmen jeder Analyse muss zunächst generell entschieden werden, auf welcher Ebene Wirkung gemessen werden soll, wobei Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Wirkungsdimensionen in Bezug auf Zeit: kurz-, mittel- und langfristig, in Bezug auf die Wirkungsebenen Mikro-, Meso- und Makroebene und in Bezug auf unterschiedliche Sachebenen zu berücksichtigen sind. Auf dieser Grundlage können unterschiedlichen Organisationen SROI Werte zugordnet werden, die Vergleiche der Wirkungen verschiedener Interventionen im Quartier ermöglichen. SROI-Analysen mit einheitlich berechneten SROI-Werten (Standards für die Quartierprojekte) eignen sich gut für Vergleiche unterschiedlicher Quartiersprojekte. Weiterlesen

Alejandro Rada, Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. Berlin und Beobachtungsstelle für gesellschaftpolitische Entwicklungen in Europa, gab einen Überblick über die Umsetzungsschritte einer konkreten SROI-Analyse am Beispiel einer Analyse der Sozialberatung für Schuldnerinnen und Schuldner des Caritasverbandes Frankfurt e.V. . Die SROI-Analyse bietet Einrichtungen und Organisationen die Möglichkeit, einen leistungs- und wirkungsorientierten Blick in die eigene Arbeitsfelder und -abläufe zu gewinnen. Auf dieser Basis können die untersuchten Organisationen relevante Impulse erhalten, um ihre strategische Ausrichtung, Schwerpunktsetzung, Zielgruppenorientierung und ihr Organisationsprofil optimiert zu gestalten. Weiterlesen

Dipl.-Pflegewirtin, M.A. Christin Tewes, Universität Witten/Herdecke, stellte die Ergebnisse der ökonomischen Begleitforschung im Projekt „Quartiersnahe Unterstützung pflegender Angehöriger (Quart-UpA)“ vor. Vor dem Hintergrund beispielhafter Hochrechnungen der Ausgaben für Hilfe zur (stationären) Pflege für zwei strukturverschiedene Kreise in NRW unter Berücksichtigung der Entwicklung der Pflegeversorgungsformen (häuslich, ambulant, stationär) konnte gezeigt werden, dass Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige dazu beitragen könnten, die zu erwartenden Steigerungen der öffentlichen Ausgaben für Hilfe zur Pflege zu begrenzen. Weiterlesen

Dr. Jan Schröder, Geschäftsführender Gesellschafter Jan Schröder Beratung GmbH, stellte unter der Überschrift „Ökonomische Bewertung von Gemeinwohl“ praktische Erfahrungen und weitergehende Empfehlungen vor, wie ein partizipatives und konsensorientiertes Verfahren einer wirkungsorientierte Preisbildung für Leistungen in der kommunalen Altenhilfe gestaltet werden kann. Konkret monetär bezifferte Antworten lassen sich über die Etablierung regionaler, wertebasierter Wirkungsmärkte und die auf derartigen Märkten stattfindende ökonomische Bewertung, kurz: Bepreisung von Gemeinwohl erzielen. Die Preisermittlung bedient sich dabei inszenierter Märkte in Form von Wettbewerben oder basar-ähnlicher Szenarien und verzichtet auf jegliche Alternativ- oder Erstellungskostenberechnung. Weiterlesen

Das vollständige Programm des Arbeitsgespräches finden sie hier.