Schritt 4: Formulieren Sie Wirkungsziele

Nachdem Sie nun geklärt haben, welche Wirkung(en) und/oder welchen Nutzen Sie in Ihrer Selbstevaluation fokussieren möchten und welche Ressourcen Ihnen zur Verfügung stehen, geht es nun weiter mit der Formulierung konkreter Wirkungsziele.

Eine wirkungsorientierte Selbstevaluation Ihrer Quartiersarbeit kann nur erfolgen, wenn Sie eindeutig formuliert haben, auf welche Veränderungen Ihre Quartiersarbeit bzw. die Maßnahmen und Aktivitäten abzielen und sogenannte Wirkungsziele entwickeln. 

Achtung! Maßnahmen sind keine Ziele, sondern stets Aktivitäten, um die Ziele zu erreichen! So stellt beispielsweise das Stattfinden eines Nachbarschaftstreffs noch kein erreichtes Wirkungsziel dar. Gleichwohl kann es natürlich Ziel des Projekts sein, einen solchen Ort der Begegnung ins Leben zu rufen (Projektziel oder Leistungsziel), es muss jedoch in einer wirkungsorientierten Selbstevaluation gefragt werden, "was hat es gebracht?".

Mit Wirkungszielen beschreiben Sie, was sich auf Ebene der Zielgruppe (Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Einstellungen, Meinungen) oder auf Ebene des Quartiers (z. B. Strukturen und Akteure) durch Ihre Quartiersarbeit verändern soll.

Beispiel für ein Wirkungsziel: Durch das Rollatortraining wird die Mobilität älterer Menschen im Quartier gefördert.

Wirkungsziele geben die Richtung für Ihre Quartiersarbeit und folglich auch für Ihre wirkungsorientierte Selbstevaluation vor. Somit stellt die Entwicklung dieser Ziele die Basis Ihrer Evaluation dar. Je eindeutiger die Wirkungsziele formuliert sind, desto leichter können Sie im Anschluss Indikatoren ableiten. 

Unterscheidung von lang-, mittel- und kurzfristigen Wirkungszielen

Bei der Entwicklung von Zielen ist darauf zu achten, dass kurzfristige Ziele gibt und Ziele, die eher mittel- oder sogar langfristig erreicht werden. Es bietet sich an, dass Sie sich die Leitziele Ihrer Quartiersarbeit vornehmen und für diese übergeordneten/eher langfristigen Leitziele kurzfristige Wirkungsziele formulieren. Im Prinzip beantworten Sie dadurch die Fragen

  • „Was braucht es, um das Leitziel zu erreichen?“ und
  • „Anhand welcher (Zwischen-)Stationen kann ich erkennen, ob ich auf dem richtigen Weg bin, um das Leitziel zu erreichen?“.

Wie formuliere ich Wirkungsziele?

Um Wirkungsziele gut und eindeutig zu formulieren, gibt es verschiedene Hilfsmittel, die in unterschiedlichen Kontexten entwickelt und bereits erprobt wurden (z. B. Entwicklungsarbeit, Gesundheitsförderung).

Ein Beispiel sind die sogenannten SMART-Kriterien. Jedes Wirkungsziel, das Sie formulieren, muss dabei alle fünf Kriterien erfüllen.

SMART-Kriterien
S Spezifisch Es ist klar, welche Veränderung konkret sichtbar sein soll (im Quartier, bei den beteiligten Organisationen und Akteuren, aber vielleicht auch in Bezug auf die Kenntnisse, Fähigkeiten, Kompetenzen, Einstellungen, Haltungen und konkreten Verhaltensweisen der Zielgruppen im Quartier)
M Messbar Es ist entscheidbar, ob das Ziel erreicht worden ist oder nicht.
A Attraktiv, anspruchsvoll, akzeptiert Für das A in SMART gibt es verschiedene Bedeutungen: Wirkungsziele sollten nicht zu niedrig gesteckt werden, es soll sich lohnen, die Wirkungsziele zu erreichen. Außerdem sollten die Wirkungsziele stets von allen am Quartiersprojekt Beteiligten akzeptiert sein, damit auch entsprechende Handlungen zur Zielerreichung folgen.
R Realistisch Ein Wirkungsziel muss realistisch und mit den vorhandenen Ressourcen und in der zur Verfügung stehenden Zeit erreichbar sein.
T Terminiert Wirkungsziele sind in der Regel so angelegt, dass sie am Ende des Projekts erreicht sein sollten, Zwischenziele bei einem entsprechenden Termin (z. B. Meilenstein). Legen Sie fest, zu welchem Zeitpunkt Sie welche Wirkungsziele erreichen wollen.

Beispiel: Ein Wirkungsziel SMART entwickeln

Wenn Sie das Beispiel des Rollatortrainings von oben nehmen, ist schnell klar, dass das noch kein SMARTes Wirkungsziel ist. Es bleibt unklar, was "Mobilität" genau umfassen soll bzw. in welcher Weise die Mobilität Älterer durch das Rollatortraining gefördert wird. Und: In welchem Zeitraum soll die Veränderung eintreten?

Die Formulierung „Durch das Rollatortraining wird die Mobilität älterer Menschen im Quartier gefördert“ hat eher den Charakter eines Leitziels, dass es langfristig zu erreichen gilt. Es braucht konkrete Wirkungsziele, z. B. braucht es Wissen, wie der Rollator richtig eingestellt werden kann, um ihn im Alltag auch zu nutzen. Ein mögliches (SMARTes) Wirkungsziel könnte lauten:

Durch die Teilnahme am Rollatortraining wissen 80 % der Teilnehmenden am Ende des Trainingprogramms, wie der Rollator richtig eingestellt wird.

Dieses Wirkungsziel ist spezifisch: Das Wissen der Teilnehmenden am Rollatortraining zur Einstellung der Gehhilfe wird verbessert. Messbar ist das Ziel ebenfalls, es gibt eine Art Zielwert bzw. Anregung, wie ermittelt werden kann, ob bzw. inwiefern Sie Ihr Wirkungsziel erreicht haben. Außerdem ist dieses Ziel realistisch, denn das Wissen zur richtigen Einstellung eines Rollators kann gut vermittelt werden. Die Terminierung ist insofern gegeben, wie dass der Bezugspunkt das Ende des Rollatortrainings darstellt.

Inwiefern die fünf SMART-Kriterien erfüllt sind, ist natürlich auch Aushandlungssache bei Ihnen vor Ort. Wichtig ist, dass Sie an einen Punkt kommen, dass Wirkungsziele für Sie und die Beteiligten Ihrer Quartiersarbeit klar sind. Inwiefern ein Wirkungsziel „attraktiv“ oder „anspruchsvoll“ ist, müssen Sie entscheiden. Im Falle des Rollatortrainings setzen wir diese Anforderung als gegeben, denn die richtige Justierung der Gehhilfe ist kein Regelfall (andernfalls würde es ein Rollatortraining im Quartier nicht brauchen).


Das Formulieren der Wirkungsziele kann deshalb ein zeitintensiver Prozess sein. Gegebenenfalls ist eine Abstimmung der Wirkungsziele mit Stakeholdern und den Zielgruppen Ihrer Maßnahmen oder sogar eine gemeinsame Zielformulierung notwendig. Nehmen Sie sich jedoch die Zeit für diesen Schritt. Umso konkreter und realistischer können Sie im weiteren Verlauf Ihre Wirkungsanalyse planen und umsetzen.

Prüfen Sie, ob Sie Wirkungsziele formuliert haben. Hierfür können Sie z. B. die Checkliste von PHINEO aus dem Kursbuch Wirkung nutzen.

Ob Sie Ihr Wirkungsziel erreicht haben, ist keine Ja/Nein-Frage:

  • Haben Sie Ihr Wirkungsziel, wie erwartet, erreicht?
  • Haben Sie sich vielleicht übertroffen?
  • Oder haben Sie Ihr Wirkungsziel verfehlt oder noch nicht in gewünschtem Umfang erreicht?

Es kann also verschiedene Grade geben, die anzeigen, in welchem Umfang Sie Ihre Wirkungsziele erreicht haben. Daher überlegen Sie sich bei der Zielformulierung auch, wie solche Zielerreichungsgrade aussehen können und in welchen Abstufungen Sie die Zielerreichung in Ihrer Evaluation bewerten wollen/können.

Beispiel für Wirkungsziele und Indikatoren aus den WINQuartier-Pilotquartieren

Nachdem Sie Wirkungsziele formuliert haben, geht es nun daran, in Schritt 5, Indikatoren zu entwickeln und festzulegen, anhand welcher Hinweise Sie entscheiden können, ob Sie Ihre Wirkungsziele erreicht haben.