Schritt 5: Bilden Sie Indikatoren

„Habe ich meine Wirkungsziele erreicht?“, „Zeigen die durchgeführten Maßnahmen ihre Wirkung?“, diese Fragen können Sie in der Regel nicht ohne Weiteres beantworten. Sie benötigen Hinweise, sogenannte Indikatoren, die Ihnen eine Einschätzung ermöglichen, in welchem Umfang oder zu welchem Grad Sie mit Ihren Maßnahmen und Aktivitäten die gewünschten Wirkungen erzielt haben.

Je komplexer das Wirkungsziel formuliert ist, desto mehr Indikatoren werden Sie benötigen, um die Zielerreichung zu überprüfen.

Bei der Indikatoren-Entwicklung sind bestimmte Anforderungen zu berücksichtigen. Ein Indikator soll relevant sein für die eigene Arbeit. Ein Indikator muss verständlich sein: Für diejenigen, die ihn erheben und auswerten, aber auch für diejenigen, denen Evaluationsergebnisse vorgestellt werden. Und natürlich muss ein Indikator, auch mit Blick auf verfügbare Ressourcen, messbar/erhebbar sein.

Schritt für Schritt zu eigenen Indikatoren

Kurz und Kubek (2017) schlagen im Kursbuch Wirkung vier konkrete Schritte zur Indikatoren-Entwicklung vor:

Überlegen Sie für jedes Wirkungsziel, woran Sie erkennen würden, dass es erreicht wurde.

Das Sammeln der Ideen kann zusammen mit Teammitgliedern, Stakeholdern oder auch der Zielgruppe erfolgen.

Sammeln Sie alle Ideen und notieren Sie diese zunächst kommentarlos. Eine Bewertung erfolgt im zweiten Schritt.

Streichen Sie Doppelungen.

Fassen Sie ähnliche Ideen zusammen.

Indikatoren müssen deutlich formuliert werden. Auch hier können Sie die SMART-Kriterien als Formulierungshilfe nutzen.

Sie können quantitative, also zählbare, Indikatoren ebenso wie qualitative Indikatoren nutzen.

Bei quantitativen Indikatoren: Überlegen Sie, in welcher Einheit Ihr Indikator erfasst werden soll (Anzahl, Summen, Durchschnitt, prozentuale Anteile).

Wenn Sie mehrere Wirkungsziele formuliert haben, kann es sein, dass Sie viele Indikatoren haben, die Sie im Rahmen einer eigenen Wirkungsanalyse und insbesondere mit Blick auf die verfügbaren Ressourcen nicht alle erheben können. In diesem Fall müssen Sie und Ihr Evaluationsteam eine Auswahl treffen und priorisieren, mit welchen Indikatoren Sie weiterarbeiten wollen.

Es gilt: Für jedes Wirkungsziel benötigen Sie mindestens einen Indikator.

„Nicht alles, was zählt, kann gezählt werden und nicht alles, was gezählt werden kann, zählt“ (Albert Einstein). Berücksichtigen Sie quantitative wie auch qualitative Indikatoren, insbesondere in der Quartiersarbeit liegen Ihrer Arbeit oftmals Ziele zugrunde, die sich nicht bzw. nur umständlich in Kennzahlen ausdrücken lassen.

Für die Auswahl wichtiger, zentraler Indikatoren können Sie die z.w.e.r.g.-Kriterien nutzen:

z Zentrale Bedeutung Hat der Indikator einen direkten Bezug zum Wirkungsziel? Wird durch den Indikator die Fragestellung Ihrer wirkungsorientierten Selbstevaluation abgebildet?
w Wirtschaftlich Ist der Aufwand für die Erhebung des Indikators vertretbar bzw. angemessen?
e Einfach Ist der Indikator verständlich?
r Rechtzeitig Ist die Erhebung und Auswertung des Indikators im Rahmen Ihrer Projektlaufzeit/Laufzeit der Maßnahmen und Aktivitäten realisierbar?
g Genau Misst der Indikator das, was er messen soll? Sind die genutzten Instrumente zuverlässig?

Eine Arbeitshilfe zur Entwicklung von Indikatoren finden Sie hier.


Beispiel: Entwicklung von Indikatoren

Ein Wirkungsziel für das Rollatortraining besteht darin, ältere Menschen, die auf die Gehhilfe angewiesen sind, darin zu unterstützen, ihren Rollator richtig einzustellen, um eine richtige Handhabung zu ermöglichen.

Eins Ihrer Wirkungsziele lautet: 

Durch die Teilnahme im Rollatortraining wissen 80 % der Teilnehmenden am Ende des Trainingprogramms, wie der Rollator richtig eingestellt wird.

Sie setzen sich im Arbeitsteam hin und überlegen, welche Indikatoren es geben könnte, woran man einen richtig eingestellten Rollator erkennt bzw. woran man sieht, dass ein Rollator nicht passend eingestellt ist:

Nach dem Brainstorming nutzen Sie die Ideen und formulieren entsprechende Indikatoren:

  • Anteil der Teilnehmenden, welche am Ende des Trainings ihren Rollator auf die richtige Höhe einstellen können.
  • Anteil der Teilnehmenden, die am Ende des Trainings richtig eingestellte Bremsen haben.
  • Anteil der Teilnehmenden, die zum Ende des Trainings eine richtige Griffhöhe und eingestellte Bremsen als wesentliche Kriterien für eine richtige Einstellung des Rollators benennen können.

Es ergeben sich vermutlich bei Ihrem Brainstorming viele verschiedene Ideen, was Indikatoren sein könnten. Nicht immer ist es so einfach, wie bei einem Rollatortraining. Lassen Sie sich jedoch nicht entmutigen und Ihrer Kreativität zunächst freien Lauf, um Ideen für Indikatoren zu sammeln. Letzten Endes geht es am Ende auch darum, welche Indikatoren Sie als Quartiersentwickler/-in überhaupt erheben können und wo Sie an arbeitsorganisatorische Grenzen stoßen.

In jedem Fall: Begründen Sie die Auswahl der Indikatoren und, wenn möglich, entscheiden Sie die Auswahl zusammen mit Ihren Kooperationspartner/-innen. In der Regel kommen bei der Auswahl der Indikatoren erste Ideen, wie man diese erheben kann bzw. ob deren Erhebung realisierbar ist oder nicht.

Sie und Ihr Evaluationsteam haben gemeinsam Indikatoren entwickelt und ausgewählt. Suchen Sie in Schritt 6 nun die passenden Methoden für Ihre Selbstevaluation aus.