Autorin: Stephanie Funk

Selbstevaluation: Was bedeutet das?

Verortung des Begriffes „Evaluation“

Der Ausdruck „Evaluation“ steht im Allgemeinen für eine Bewertung oder eine Beurteilung: Im Alltag finden Evaluationen selbstverständlich statt: „Ist die Sauce fertig abgeschmeckt oder fehlt noch Salz?“ oder „Kann ich die Straße sicher überqueren?“ sind zwei kleine Beispiele für kleine Evaluationen, die im alltäglichen Leben stattfinden.

Evaluationen in einem wissenschaftlichen Kontext und auch solche, die Sie auf Arbeit umsetzen, unterscheiden sich zunächst kaum von den alltäglichen Evaluationen. Auch hier geht es um eine Bewertung, z. B. von Arbeitsprozessen oder auch von Ergebnissen Ihrer Arbeit.

Im Gegensatz zu alltäglichen Evaluationen erfüllen Evaluationen auf der Arbeit oder im wissenschaftlichen Kontext stets drei Anforderungen (Stockmann, 2004):

  • Nutzung empirischer Methoden der Sozialwissenschaften
  • Anwendung systematischer Verfahren zur Bewertung der erhobenen Daten
  • Kriterien, die Sie zur Beurteilung der erhobenen Daten nutzen, sind begründet und offengelegt, sodass Dritte Ihre Kriterienauswahl sowie Ihre Ergebnisse auch nachvollziehen können.

Was bringt eine Evaluation?

Evaluationen sind immer mit Aufwand verbunden. Egal, wie Sie es drehen, Sie benötigen stets Zeit und Geld, um Ihre Evaluationsideen auch umsetzen zu können. Dabei spielt neben dem "Was?" auch das "Wie?" eine Rolle. Welches Material bzw. welche Sachmittel benötigen Sie? Welches methodisches Wissen brauchen Sie und wo können Sie sich dieses ggf. aneignen durch z. B. methodische Weiterbildungen/Qualifizierungen (im Tutorial zur wirkungsorientierten Selbstevaluation, Schritt 3, sind weitere Kostenpunkte aufgeführt).

Wenn der Aufwand so hoch ist, was bringt dann eine Evaluation? Stockmann (2004) formuliert vier wesentliche Ziele von Evaluationen, die in ähnlicher Weise auch an anderer Stelle (z. B. Farokkhzad & Mäder, 2014), auch in der Praxis der Sozialen Arbeit genannt werden:

  • Erkenntnisse gewinnen.
    In Selbstevaluationen ist Ihre Quartiersarbeit der Mittelpunkt. Somit bieten Evaluationsvorhaben die Chance, etwas über die eigene Arbeit herauszufinden. Was funktioniert im Quartier? Wo sind trotz großer Bemühungen keine Entwicklungen zu sehen? Diese Funktion von Selbstevaluationen steht im Vordergrund, auch wenn ggf. noch weitere Ziele mit Ihrem Evaluationsvorhaben verfolgt werden.

  • Kontrolle ausüben.
    Evaluationen bieten auch die Möglichkeit Kontrolle auszuüben und und zu überprüfen, ob die Arbeitsaufgaben entsprechend ausgeführt wurden oder ob z. B. fehlende Kompetenzen die Durchführung erschwert haben.

  • Legitimation nach innen und nach außen.
    Ergebnisse von Selbstevaluationen können dazu genutzt werden, gegenüber Geldgebern die erzielten Wirkungen darzustellen und die geleistete Arbeit zu rechtfertigen. Auch für ggf. Folgeanträge können Evaluationsergebnisse als Argumentationsstütze genutzt werden. Auch für interne Rechenschaftslegung können Selbstevaluationen einen Beitrag leisten. So wird das, was Sie durch Ihre Quartiersarbeit erreicht haben, für Ihre Kolleginnen und Kollegen in der Einrichtung, für Ihre Vorgesetzte sowie für Kooperationspartner/-innen und die Quartiersbewohner/-innen sichtbar.

  • (Gemeinsames) Lernen fördern
    Zielt "Erkenntnisse gewinnen" vorerst auf das Wissen um Quartiersarbeit ab, dienen Selbstevaluationen auch dem gemeinsamen Lernen innerhalb eines Arbeits-/Kooperationsteams. So kann durch die Kommunikation der Ergebnisse einer Selbstevaluation die Zusammenarbeit reflektiert werden.

Was bedeutet „Selbstevaluation“?

Das WINQuartier-Internetportal bietet Informationen und Materialien zur Umsetzung wirkungsorientierter Selbstevaluationen im Quartier. Was aber sind „Selbstevaluationen“?

Selbstevaluationen finden in der Lebens- und Arbeitswelt der Zielgruppen und der mit ihnen Befassten statt. Führen Sie eine Selbstevaluation durch, bedeutet das, dass diese Form der Evaluation bei Ihnen direkt im Quartier stattfindet, dort, wo Sie z. B. Maßnahmen und Angebote für ältere und/oder hochaltrige Menschen anbieten und umsetzen. Denn das Ziel von Selbstevaluationen ist es, Ergebnisse zu erzeugen, die Ihnen für Ihre Arbeitspraxis nützlich sind und nach der Evaluation in Ihren Arbeitsalltag überführt werden. Bei einer Selbstevaluation ist stets Ihre eigene Arbeit im Fokus, Maßnahmen, die Sie umsetzen und Arbeitsschritte, die Sie im Quartier durchführen, sind entsprechend mögliche Evaluationsgegenstände. Die Selbstevaluationen sollen dazu beitragen, Erkenntnisse zur geleisteten Arbeit zu gewinnen, um zukünftige Arbeitsschritte daran ausrichten und den weiteren Entwicklungsprozess im Quartier gestalten zu können.

Bei Selbstevaluationen geht es also nicht darum, Grundlagenforschung zu betreiben und „grundsätzliche Sachverhalte“ zu erforschen (König, 2009, S. 298). Der Vorteil von Selbstevaluationen liegt vielmehr darin, etwas über Ihre eigene Praxis zu erfahren und diese systematisch weiterzuentwickeln (ebd.). Dabei spielen die durch Ihre Arbeit erzielten Wirkungen eine wesentliche Rolle.

Fokus der Selbstevaluation

Bei Selbstevaluationen geht es also nicht darum, Grundlagenforschung zu betreiben und „grundsätzliche Sachverhalte“ zu erforschen (König, 2009, S. 298). Der Vorteil von Selbstevaluationen liegt vielmehr darin, etwas über Ihre eigene Praxis zu erfahren und diese systematisch weiterzuentwickeln (ebd.). Dabei spielen die durch Ihre Arbeit erzielten Wirkungen eine wesentliche Rolle, denn sie zeigen an, was Sie durch Ihre Arbeit erreicht haben.

Welche Rahmenbedingungen braucht es für eine Selbstevaluation?

Ganz klar und grundlegend für jede Selbstevaluation sind verfügbare Ressourcen. Hier sind Geldgeber und Trägerorganisationen in der Pflicht einen entsprechenden Rahmen und Anreize zur Selbstevaluation für Sie zu schaffen (Farokkhzad & Mäder, 2015, S. 135).

Um darüber hinaus eine Selbstevaluation in Ihrem Quartier umsetzen können, müssen Sie sich über ein paar Bedingungen Klarheit verschaffen:

Eine Selbstevaluation ermöglicht Ihnen eine systematische Reflexion Ihrer geleisteten Arbeit. Auf Basis der Evaluationsergebnisse können Sie Ihre Quartiersarbeit weiterentwickeln. Daher besteht eine notwendige Voraussetzung für wirkungsorientierte Selbstevaluationen darin, dass der Gegenstand, den Sie in den Fokus Ihrer eigenen Evaluation rücken, auch tatsächlich veränderbar ist und sogenannte Gestaltungsspielräume aufweist.

Die Evaluationsaufgabe muss vor Beginn der Evaluation eindeutig zwischen den Selbstevaluierenden und anderen Beteiligten/Stakeholdern definiert und terminiert werden. In diesem Zusammenhang bedarf es der gemeinsamen Klärung von Rollen (z. B.: Wer sind die relevanten Stakeholder, die Sie bei der Umsetzung der Maßnahme, aber auch bei der Evaluation berücksichtigen sollten? Wer ist für welche Aufgaben zuständig? Wer verfügt über welche Kompetenzen? etc.).

Bei einer Selbstevaluation übernehmen Sie die Verantwortung für die Evaluation, inklusive ihrer Umsetzung. Dass Sie diese Verantwortung für das Evaluationsvorhaben innehaben, ist eine notwendige Voraussetzung und erfordert Klärung, mindestens mit Ihrem Arbeitgeber und direkten Kolleginnen und Kollegen.

Sie entscheiden darüber, welche Informationen und Ergebnisse der Selbstevaluation kommuniziert werden. Daher müssen Sie sich über datenschutzrechtliche Aspekte sowie über die Datenhoheit innerhalb Ihrer Einrichtung im Klaren sein.

Selbstevaluationen setzten voraus, dass ein hinreichendes Maß an Transparenz in Bezug auf das Vorgehen besteht. Diese Transparenz braucht es nicht nur unter den an Ihrer Evaluation Beteiligten (z. B. Kolleginnen und Kollegen, die Zielgruppe Ihrer Quartiersarbeit, Kooperationspartner/-innen). Es braucht Transparenz zu Ihrem Vorgehen auch gegenüber der Leitungsebene Ihrer Einrichtung bzw. Ihrer Trägerorganisation, um einen vertrauensvollen Rahmen für Ihre Selbstevaluation zu schaffen.

Natürlich können Sie keine Selbstevaluation durchführen, wenn Ihnen nicht die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen. Dementsprechend sind Sie bereits in der Antragsstellung für Ihr Quartiersprojekt gefragt, Zeit, finanzielle Mittel sowie benötigtes Personal abzuschätzen und in dem Finanzplan zu berücksichtigen. Qualifikationen und methodisches Know-How sind ebenfalls wichtige Ressourcen. Aber auch Ihr Einrichtungsträger ist in Bezug auf die Ressourcen gefragt: Was kann von Seiten der Einrichtung zur Verfügung gestellt werden? Gibt es die Möglichkeit von Weiterbildungen, um wirkungsorientierte Selbstevaluationen umzusetzen?

Standards, die Sie bei Ihrer Selbstevaluation berücksichtigen sollten, hat die Gesellschaft für Evaluation e. V. (DeGEval, 2004) zusammengetragen und im Internet als PDF-Dokument veröffentlicht, klicken Sie hier.

Selbstevaluation: Was soll das bringen?

Falls es bis hierher noch nicht deutlich wurde: Im Zuge einer Selbstevaluation reflektieren und bewerten Sie Ihre eigene Arbeit. Auch wenn Sie für eine solche Bewertung Kriterien nutzen, die Sie im Zuge der Selbstevaluation auch offenlegen, bleiben Zweifel vorhanden, inwiefern Sie aussagekräftige Ergebnisse produzieren. Diese Kritik wird dann laut, wenn Außenstehende Sie um die Ergebnisse bitten, um z. B. Kontrolle auszuüben. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken: Versuchen Sie möglichst strukturiert an die wirkungsorientierte Selbstevaluation heranzugehen. Dokumentieren Sie Ihre Entscheidungen im Evaluationsprozess sorgfältig und holen Sie sich ggf. Rückmeldung zu Ihrem Vorgehen ein. Hierzu können Sie Arbeitskollegen, andere Quartiersentwickler/-innen oder aber auch Hochschulen und Organisationen/Institutionen kontaktieren und Möglichkeiten der (kollegialen) Beratung erschließen.

Wie geht es weiter?

Den Text Selbstevaluation: Was ist das? können Sie hier herunterladen.

Welche Arbeitsschritte mit einer wirkungsorientierten Selbstevaluation im Quartier verbunden sind, können Sie im Tutorial zur wirkungsorientierten Selbstevaluation nachlesen. 


  • Deutsche Gesellschaft für Evaluation (DeGEval) (Hrsg.) (2004). Empfehlungen zur Anwendung der Standards für Evaluation im Handlungsfeld der Selbstevaluation. Online verfügbar.

  • Farokkhzad, S. & Mäder, S. (2015). Nutzenorientierte Evaluation. Ein Leitfaden für die Arbeitsfelder Integration, Vielfalt und Toleranz. Münster: WAXMANN.

  • König, J. (2009). Selbstevaluation in der Gesundheitsförderung: Perspektiven und Methoden. In: Petra Kolip & Veronika Müller (Hrsg.). Qualität von Gesundheitsförderung und Prävention. Bern: Verlag Hans Huber, S. 295-311.

  • Stockmann, R. (2004). Was ist eine gute Evaluation? Einführung zu Funktionen und Methoden von Evaluationsverfahren. Online verfügbar.