Autorin: Prof. Dr. Monika Burmester

Wirkung(sanalyse) - Wie kann es gehen?

„Unsere Arbeit wirkt!“ Aber worin besteht die Wirkung? Sich darüber Klarheit zu verschaffen, ist der erste Schritt einer Wirkungsanalyse.

Wirkungen, das sollte aus dem Impulstext „Wirkung und Wirkungsanalyse – Worum geht es?“ deutlich geworden sein, sind nicht offensichtlich. Für welche Wirkung interessiere ich mich? Sind es eher kurzfristige oder (ausschließlich) langfristige Wirkungen? Interessiere ich mich für Wirkungen auf der subjektiven Ebene der Zielgruppe oder auf der gesellschaftlichen Ebene?

Wirkungen – auch darauf wurde in dem Impulstext hingewiesen – sind begründete (oder vermutete) Zusammenhänge. Solche Zusammenhänge lassen sich in Wirkungsmodellen veranschaulichen. Die Modelle dienen dazu, sich über die unterstellten Zusammenhänge Klarheit zu verschaffen.

Ein einfaches Wirkungsmodell …

In einigen Modellen zur Wirkungsanalyse werden Wirkungen auf der Ebene der Zielgruppe und Wirkungen auf der Ebene der Gesellschaft gleichermaßen betrachtet. In dem von Phineo, einer Tochtergesellschaft der Bertelsmann-Stiftung, für Praktiker und Praktikerinnen herausgegeben „Kursbuch Wirkung“ wird von einer Wirkungstreppe ausgegangen, dessen oberste Stufe die gesellschaftliche Wirkung ist. Diese oberste Stufe wird beschrieben als „Gesellschaft verändert sich“ (Kurz & Kubek, 2015, S. 2).

Eine angestrebte gesellschaftliche Wirkung von Quartiersarbeit kann bspw. eine erhöhte Attraktivität des Quartiers für die Zielgruppe (hier: ältere Menschen und Menschen mit Pflegebedarf) sein. Ein attraktives Quartier ist dadurch gekennzeichnet, dass es für die Zielgruppe gut möglich ist, dort zu leben. Das ist die Bedingung dafür, dass die Zielgruppe länger in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben kann.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind verschiedene Aktivitäten geeignet. Welche das jeweils sind, hängt vom Quartier ab. Hier ist die Fachexpertise der Quartiersmanager und -managerinnen gefragt, die auf Grundlage einer Quartiersanalyse (Erfassung und Beschreibung der Ausgangssituation) konkrete Maßnahmen ergreifen bzw. anregen müssen.

Als Aktivitäten, die zur Erreichung der beispielhaft genannten gesellschaftlichen Wirkung beitragen könnten, kommen u.a. die Organisation von Nachbarschaftstreffs oder die Akquirierung von Freiwilligen in Frage. Anhand dieser beiden exemplarischen Aktivitäten lässt sich folgendes einfaches Wirkungsmodell aufstellen, das den theoretisch unterstellten Zusammenhang abbilden soll:

… und seine „Optimierung“

Mit solch einem Schaubild lässt sich der theoretisch unterstellte Zusammenhang veranschaulichen. In der Praxis wird es weit mehr Aktivitäten geben, die in dem Schaubild ergänzt werden müssen, was die Darstellung unübersichtlicher macht. Mit dieser Darstellung wird unterstellt, als gäbe es zwei Aktivitäten, deren Wirkungen unabhängig voneinander sind. Dass sich mehr Menschen freiwillig engagieren (Wirkung von Aktivität 2), kann aber durchaus (zumindest teilweise) Resultat eines Nachbarschaftstreffs sein (Aktivität 1) und nicht nur Folge der Einrichtung einer Freiwilligenbörse (Aktivität 2). Dies müsste durch eine weitere Verbindungslinie deutlich gemacht werden (rote Linie in der Abbildung).

Durch die Berücksichtigung von Interdependenzen, der wechselseitigen Abhängigkeit, nähert man sich etwas der Realität an. Das geht – aber so ist die (soziale) Realität eben – zulasten der Klarheit und Eindeutigkeit der unterstellten Zusammenhänge.

Hinweis

Ungeachtet möglicher Interdependenzen, ist es für eine Wirkungsanalyse unumgänglich, sich über die unterstellten Wirkzusammenhänge Klarheit zu verschaffen. Schaubilder sind dafür lediglich Hilfsmittel. Der in diesen Schaubildern dargestellte Zusammenhang kann selbstverständlich auch ausschließlich als Text formuliert werden.

Das skizzierte Beispiel dient der Veranschaulichung der Grundidee. Als Wirkung für die Gesellschaft ist ein sehr allgemeines Ziel genannt (Erhöhung der Attraktivität des Quartiers). In der Praxis ist es u. U. sinnvoller, angestrebte Wirkungen genauer zu formulieren: Worin spiegelt sich eine höhere Attraktivität des Quartiers? Das können ganz unterschiedliche Wirkungen in unterschiedlichen Bereichen sein (z. B. Wohnraumqualität, soziale Beziehungen). Bei solch einer genaueren Formulierung steht wahrscheinlich nicht nur eine Wirkung in der oberen Zeile, sondern eher mehrere. Das ergibt dann u. U. ein Modell mit vielen Aktivitäten, die zu unterschiedlichen Wirkungen auf der gesellschaftlichen Ebene führen können bzw. sollen. Das oben angeführte Beispiel wäre lediglich ein Ausschnitt eines Wirkungsmodells für ein tatsächliches Quartier.

Was noch beachtet werden sollte:

Wirkungen sind normalerweise als Veränderungen formuliert („mehr“, „Erhöhung“). Wirkungen von Quartiersarbeit spiegeln sich in Veränderungen im Quartier und/oder im Verhalten der Bewohner und Bewohnerinnen oder in deren Kompetenzen oder Einstellungen. Solche Veränderungen können auch das Aufhalten oder Bremsen von Verschlechterungsprozessen sein im Sinne einer Stabilisierung.

Weil sich Wirkungsanalysen auf die Erfassung (und den Nachweis) solcher Veränderungen richten, ist für die Durchführung entsprechender Analysen i.d.R. der Vergleich mit der Ausgangssituation sinnvoll.(Einfache) Wirkungsanalysen sollten entsprechend Daten (bzw. Informationen) zu mehreren Zeitpunkten erheben.

Hinweis

Ein Überblick über verschiedene Varianten von Vergleichen und ihre Vor- und Nachteile finden Sie im Internet auf einer Website zur Wirkungsmessung in der Entwicklungszusammenarbeit. Klicken Sie hier.

Wie geht es weiter?

Den Text Wirkungsanalyse - Wie kann es gehen? können Sie hier herunterladen.

Wenn Sie mehr zur Umsetzung einer wirkungsorientierten Selbstevaluation erfahren möchten, nutzen Sie das Tutorial, für einen Einstieg können Sie zudem den Text Wirkungsanalyse - Was (noch) beachtet werden sollte lesen.


Kurz, B. & Kubek, D. (2015). Kursbuch Wirkung. Das Praxishandbuch für alle, die Gutes noch besser tun wollen. 3. Aufl., Hg. v. Phineo gAG und Bertelsmann-Stiftung. Berlin. Online verfügbar.