Autorin: Prof. Dr. Monika Burmester

Wirkung und Wirkungsanalyse – Worum geht es?

Wirkungsanalysen befassen sich damit, wie Wirkungen zustande kommen und wie sie gemessen und dargestellt werden können. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf Wirkungen in Quartieren, in denen Quartiersarbeit (z. B. Quartiersentwicklung oder -management) stattfindet.

Warum Wirkungsanalyse?

Über Wirkungen wird in der Sozialpolitik aktuell viel gesprochen. Wirkung scheint das neue Beurteilungskriterium sozialpolitischer Maßnahmen zu sein, weshalb sich auch in Sozialgesetzen zunehmend ein expliziter Wirkungsbezug findet (so z. B. im Entwurf für das Bundesteilhabegesetz). Auf den ersten Blick ist das merkwürdig, weil mit sozialstaatlichen Interventionen in Form von Unterstützung (z. B. Pflege), Beratung (z. B. Sozialberatung), Betreuung, Begleitung usw. immer bestimmte Ziele verfolgt und damit auch Wirkungen der jeweiligen Maßnahmen angestrebt werden.

Wenn seitens der Politik und von Kostenträgern verstärkt Wirkungsnachweise eingefordert werden, dann beruht das auf eher grundsätzlichen Zweifeln an der Wirkung und Wirksamkeit sozialer Interventionen. Mit Wirkungsorientierung wird die Forderung aufgestellt: Soziale Arbeit soll ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen. Sie soll nachweisen, dass sie Wirkungen erzielt.

Während im sozialpolitischen Diskurs der Fokus auf der Legitimation der Leistung als Bedingung für ihre Refinanzierung liegt, begründen die freien Träger ihr Interesse an Wirkungsnachweisen u. a. mit ihrem eigenen Bedürfnis an Qualitätssicherung und -verbesserung. So formulieren Vertreter der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW): „Seitens der Einrichtungen und Dienste besteht ein intrinsisches Interesse, sich selbst über die Wirkungen ihres Handelns zu informieren. Dieses ist nötig, um Organisationen zu steuern, an neue Rahmenbedingungen anzupassen und stetig die Qualität der erbrachten Leistungen zu sichern und zu verbessern.“ (Timm & Friedrich, 2016, S. 7)

Wirkungsanalyse durch Fachkräfte der Quartiersarbeit

Beide Interessen an Wirkungsnachweisen machen es notwendig, dass solche Nachweise nicht (mehr nur) von externen Evaluatoren erbracht werden, was vergleichsweise kostspielig wäre. Vielmehr werden solche Nachweise zum integralen Bestandteil der Tätigkeiten von Fachkräften, die für die Quartiersarbeit zuständig sind. Ähnlich, wie für das übliche Qualitätsmanagement Dokumentationen notwendig sind, gilt das für die Wirkungsnachweise.

Mit solchen Nachweisen haben die Quartiersmanager und -managerinnen ihre Tätigkeit gegenüber Kostenträgern oder dem eigenen Träger zu rechtfertigen. Als Instrumente der Selbstevaluation können Wirkungsnachweise zudem der Qualitätsverbesserung dienen, indem die eigene Praxis kritisch reflektiert wird (siehe auch Text zur Selbstevaluation). 

Wenn Fachkräfte der Quartiersarbeit Wirkungsanalysen erstellen sollen, dann können solche Analysen nicht hohen wissenschaftlichen Standards entsprechen. Dafür sind die Fachkräfte i.d.R. nicht ausgebildet, und dafür haben sie auch nicht die benötigten Zeitressourcen. Wirkungsanalysen, die von Quartiersmanagern und -managerinnen durchgeführt werden, die mit solchen Analysen Belege für die Wirksamkeit ihrer eigenen Arbeit suchen, dokumentieren und vielleicht auch veröffentlichen wollen, müssen praktikabel und praxistauglich sein (Sprinkart, 2014).

Wirkung – Was soll das sein?

Quartiere sind keine starren Räume, sondern sie verändern sich ständig. Werden solche Veränderungen auf eine Ursache, z. B. auf die Quartiersarbeit, zurückgeführt, dann wird von Wirkung, in dem Beispiel von der Wirkung von Quartiersarbeit, gesprochen. Hier wird gedanklich eine (kausale) Beziehung hergestellt bzw. ein Zusammenhang behauptet zwischen der wahrgenommenen Veränderung im Quartier und der Ursache dieser Veränderung, der Quartiersarbeit.

Die Wirkungsmessung setzt mit (z. T. anspruchsvollen) statistischen Methoden auf diesen theoretisch und sachlogisch begründeten Beziehungen auf (Reichwein et al., 2011). Am Anfang einer Wirkungsanalyse stehen also theoretische Überlegungen über den angenommenen Wirkungszusammenhang, für die im Rahmen der Wirkungsmessung empirische Belege gesucht werden.

Wirkung wird von der durch Quartiersmanager und -mangerinnen erbrachten Leistung (dem so genannten Output) unterschieden. Der Zusammenhang vom Input, also von den eingesetzten Ressourcen, zur Erstellung einer Leistung, bis zur Wirkung lässt sich folgendermaßen darstellen:

Solche oder ähnliche Schaubilder finden sich in verschiedenen Veröffentlichungen zur Wirkungsanalyse. In etlichen ähnlichen Schaubildern wird Wirkung weiter differenziert. Häufig finden sich für Wirkung die Begriffe outcome und impact (gelegentlich auch effect), die in der Literatur aber nicht einheitlich interpretiert und verwendet werden. In den weiteren Ausführungen zu dem Themengebiet wird ausschließlich von Wirkungen gesprochen.

Abgrenzung von Output und Wirkung

Wichtig ist die Unterscheidung von Output und Wirkung. Wer für sich in Anspruch nimmt, Wirkungen zu messen, wird gelegentlich mit der Kritik konfrontiert, doch eigentlich nur Output gemessen zu haben. Um solch einer Kritik begegnen zu können, kann die Auseinandersetzung mit beiden Größen hilfreich sein.

Als Output (oder Leistung) ist allgemein das Ergebnis des Leistungsprozesses gemeint. Diese allgemeine Aussage klingt einfach. In der Praxis ist bei sozialen Dienstleistungen aber überhaupt nicht klar, worin die Leistung besteht. Sind es die Stunden, die eine Fachkraft im Quartier tätig ist? In der Zeit fand schließlich irgendeine zielgerechtete Tätigkeit statt (z. B. Netzwerkarbeit, Dokumentation oder …). Oder ist der Output eine konkrete Aktion (z. B. Organisation und Moderation eines runden Tisches), für die Arbeitszeit eingesetzt wurde?

Gleichgültig, wie Output konkret ausgedrückt wird, sollte eines an den Beispielen deutlich geworden sein: Der Output steht in enger Beziehung zum Arbeitseinsatz. Er ist im Prinzip das Ergebnis der Arbeitsleistung. Dass mit dem Arbeitseinsatz Wirkungen (bei wem oder für wen?) erzielt werden, ist i. d. R. unterstellt, wird aber in dem Output nicht ausgedrückt.

Was könnte bspw. die Wirkung eines runden Tisches sein? Auch auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Die Wirkung kann darin bestehen, dass sich überhaupt Bewohner/-innen des Quartiers für das Thema interessieren, der runde Tisch also stattfindet. Die Wirkung kann auch darin bestehen, dass eine bestimmte (Mindest-)Anzahl von Personen teilnimmt. Oder die Wirkung besteht darin, dass als besonders wichtig angesehene Multiplikatoren oder Quartiersakteure teilnehmen. Neben solchen eher einfach zu ermittelnden Wirkungen lassen sich auch ambitioniertere Wirkungen formulieren wie bspw.: Der runde Tisch hat zu mehr Aktivitäten im Quartier geführt.

Wie geht es weiter?

Nachdem Sie nun erste Einblicke in die Problematik der Wirkungsanalyse gewonnen haben, können Sie sich

Den Text Wirkung(sanalyse) - worum geht es? können Sie hier herunterladen.


  • Kurz, B. & Kubek, D. (2015). Kursbuch Wirkung. Das Praxishandbuch für alle, die Gutes noch besser tun wollen. Online verfügbar unter www.phineo.org/themen/soziale-wirkung, zuletzt geprüft am 02.01.2017.

  • Reichwein, A., Berg, A., Glasen, D.,  Junker, A., Rottler-Nourbakhsch, J. & Vogel, S. (2011). Moderne Sozialplanung. Ein Handbuch für Kommunen. Unter Mitarbeit von Martina Trauth-Koschnick. Hg. v. Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW (MAIS.NRW). Düsseldorf. Online verfügbar unter broschueren.nordrheinwestfalendirekt.de/broschuerenservice/mais/moderne-sozialplanung/1215, zuletzt geprüft am 02.01.2017.

  • Sprinkart, P. (2014). Quartiersbezogene Bewohnerarbeit. Nachbarschaftstreff. Wirkungsanalyse. Herausgegeben von: Landeshauptstadt München Sozialreferat, S. 22 f. Online verfügbar unter www.muenchen.info/soz/pub/pdf/515_Wirkungsanalyse_Nachbarschaftstreffs.pdf, zuletzt geprüft am 04.01.2017.

  • Timm, G. & Friedrich, P. (2016). Menschen und Zahlen. In Sozialwirtschaft 26 (6), S. 7–9.