Autorin: Stephanie Funk

Wirkungsorientierung in der Quartiersentwicklung

In den vergangenen Jahren haben die Diskussionen um Wirkungsbegriffe und die Bedeutung von Wirkungsmessungen in sozialen Arbeitsfeldern zugenommen. Wirkung, Effekte, Nutzen, Impact, Outcome, Output, Wirkungsmessung, Wirkungsanalyse, Wirkungsorientierung sind beispielhaft gewählte Begriffe, die in diesem Zusammenhang immer wieder, häufig synonym, nicht trennscharf oder auch unterschiedlich konnotiert, genutzt werden. Neben der fachlichen Diskussion zu Begrifflichkeiten und methodischen Ansätzen geraten Praktiker und Praktikerinnen, auch in der Quartiersentwicklung, zunehmend unter Druck, die erzielten Wirkungen ihrer Arbeit nachzuweisen (z. B. Kehl & Then, 2018; Merchel, 2015). Das „Gutes“ getan oder „effektiv“ gehandelt wird, kann nicht damit belegt werden, dass das Handeln durch eine Autorität (z. B. öffentlichen Fördermittelgeber) befürwortet oder Vorgaben eines Qualitätsmanagements eingehalten wird. Es braucht einen Nachweis, dass (knappe) Ressourcen so eingesetzt werden, dass mit ihnen ein Beitrag zur Lösung sozialer Problemlagen geleistet wird.

In gegenwärtigen Diskursen rangiert derzeit der Ausdruck Wirkungsorientierung vor den Erwartungen von sauberen Wirkungsanalysen oder -messungen im Rahmen von Selbstevaluationen. Nicht zuletzt aufgrund des begründeten Zweifels, dass durch Selbstevaluationen haltbare und rigorose Wirkungsanalysen erfolgen können. Zu große methodische und arbeitspraktische Herausforderungen wären damit verbunden. Zudem wäre auch die Nützlichkeit für die Praxis und Übertragbarkeit solcher Ergebnisse fraglich.

Was aber verbirgt sich hinter diesem Begriff im Kontext der Quartiersentwicklung? Wo fängt Wirkungsorientierung an, wo hört sie auf und woran ist sie zu erkennen? Ziel dieses Reflexionstextes ist es, diese Fragen zu beantworten, nicht zuletzt aus dem Grund, dass WINQuartier darauf abzielt, wirkungsorientierte Selbstevaluationen zu unterstützen.

Was meint Wirkungsorientierung als Arbeitsprinzip in der Quartiersarbeit?

„Wirkungsorientierung bedeutet zunächst einmal, dass bereits bei der Planung von Programmen und Projekten der Fokus auf die angestrebten Wirkungen einer Maßnahme gelegt wird und nicht mehr wie früher auf die Erfüllung von Aktivitäten oder erbrachte Inhalte und Leistungen (Inputs)“ (Caspari, 2012, S. 11).

Mit diesem Zitat sollen zwei Punkte verdeutlicht werden:

  • Wirkungsorientierung ist ein Arbeitsprinzip in der Quartiersentwicklung, also ein Teil des professionellen Handelns im Quartier. Die „Forderung“, wirkungsorientiert zu handeln ist also nicht nur als Druck von außen zu betrachten (Merchel, 2015).
  • Wirkungsorientierung als Arbeitsprinzip meint nicht nur die Durchführung von (summativen) Evaluationen/Ergebnisevaluationen zum Projektende. Eine wirkungsorientierte Arbeitsweise beginnt bereits in der Konzept- oder Planungsphase. In Bezug auf die eher projektförmige Organisation von Quartiersentwicklung bedeutete dies, dass der Antragsstellung eine zentrale Bedeutung zukommt: Ziele, die erreicht werden sollen und somit Effekte/Wirkungen, die durch die Quartiersarbeit hierbeigeführt werden sollen, müssen zu Beginn festgehalten werden. Die Planung von Maßnahmen, Angeboten und Strukturen wird dann anhand dieser Ziele ausgerichtet. Im Zuge der Wirkungsorientierung werden also nicht ausschließlich Prozessziele formuliert, sondern auch Wirkungsziele bestimmt.

Darüber hinaus ist Wirkungsorientierung dadurch gekennzeichnet, dass nicht nur festgehalten wird, WAS bzw. welche Wirkungen mit der Quartiersentwicklung erreicht werden sollen, sondern dass bereits in der Planungsphase eines Quartierprojekts beschrieben wird, WIE (mit welchen Verfahren, Methoden, Instrumenten) eine Überprüfung der Zielerreichung erfolgen soll. Denn …

… „will man Maßnahmen […] gezielt so anlegen, dass sie ‚Wirkungen‘ hervorbringen, so muss von vornherein mitgedacht werden, wie dies überprüft werden kann.“ (Beywl, 2006, S. 25).

Entsprechend nutzt eine wirkungsorientierte Arbeitsweise dahingehend, dass Ressourcen zur (Selbst-)Evaluation (z. B. finanzielle Mittel, Personal, Qualifikationen, Zeit) entsprechend sorgfältig mit eingeplant werden. Und somit wäre ein großer Kritikpunkt an wirkungsorientierten Selbstevaluationen bereits zu Beginn eines Quartiersentwicklungsprozesses geklärt: Fehlende Ressourcen in Bezug auf finanzielle Mittel und Zeit.

Woran erkennt man eine wirkungsorientierte Quartiersentwicklung?

Das Bestreben eines jeden Quartiersentwicklungsprozesses ist es, Veränderungen im Quartier herbeizurufen. Unabhängig von zugrunde liegenden Handlungskonzepten und Förderlogiken, gilt es, den Quartiersbewohner/-inne/-n ein selbstbestimmtes Leben in Versorgungssicherheit zu ermöglichen.

Eine wirkungsorientierte Quartiersentwicklung ist entsprechend den Ausführungen im oberen Abschnitt nichts weiter, als ein systematisch geplanter Quartiersansatz, der zentral an Wirkungszielen orientiert ist. Maßnahmen, Interventionen und/oder Angebote der Quartiersarbeit werden aufbauend auf diesen Zielen und begründet durch vorhandenes Wissen abgeleitet. Wenn Sie so wollen, entwickeln Sie eine „lokale Wirkungskette“, eine kleine lokale Theorie, mit der Sie beschreiben, WAS Sie in Ihrem Quartier WARUM mit WELCHEN Maßnahmen erreichen wollen und WORAN und WIE Sie erkennen und überprüfen, dass Sie Ihre Ziele erreicht haben.

Anregungen und Hinweise: Wie kann Wirkungsorientierung als Arbeitsprinzip gestärkt werden?

Der Text "Wirkungsorientierung in der Quartiersentwicklung" ist hier als Download verfügbar.

Haben Sie Anregungen und Hinweise, welche weiteren Informationen Sie sich zum Thema Wirkungsorientierung wünschen? Melden Sie sich gerne bei uns, z. B. über die Feedbackmöglichkeit im rechten Bildrand (kleiner Papierflieger), über unser Kontaktformular oder per Mail beim bbb Büro für berufliche Bildungsplanung.


  • Albus, S., Micheel, H.-G. & Polutta, A. (2018). Wirksamkeit. In H.-U. Otto, H. Thiersch, R. Treptow & H. Ziegler (Hrsg.), Handbuch Soziale Arbeit. Grundlagen der Sozialarbeit und Sozialpädagogik (6. Aufl., S. 1825-1832). München: Ernst Reinhardt Verlag.

  • Beywl, W. (2006). Demokratie braucht wirkungsorientierte Evaluation - Entwicklungspfade im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe. In Projekt eXe (Hrsg.), Wirkungsevaluation in der Kinder- und Jugendhilfe. Einblicke in die Evaluationspraxis (Strategien und Konzepte externer Evaluation in der Kinder- und Jugendhilfe, S. 25-48). München: Deutsches Jugendinstitut e. V.

  • Caspari, A. (2012). Chancen der Wirkungsorientierung für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit. ZEP: Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik, 35 (2), 11-17.

  • Kehl, K. & Then, V. (2018). Soziale Investitionen, Wirkungsorientierung und 'Social Return'. In K. Grunwald & A. Langer (Hrsg.), Sozialwirtschaft. Handbuch für Wissenschaft und Praxis (S. 858-871). Baden-Baden: Nomos.

  • Merchel, J. (2015). Evaluation in der Sozialen Arbeit (2. Aufl.). München: Ernst Reinhardt Verlag.